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UA: "Anfang und Ende des Anthropozäns"
Am 19. November war die Uraufführung von Philipp Löhles neuem Stück Anfang...

Neu: "Ein Fest für Emily" von Peter Buchholz
Clara, Isabell, Julie und Emily sind seit zwanzig Jahren beste Freundinnen....

Ausgezeichnet: NESTROY 2021 für "Krasnojarsk" und "Einfach das Ende der Welt"
Bei der Verleihung der NESTROY-Theaterpreise 2021 wurden u. a. die DSE von...

Neu: "Schlafmodus" von Beatrix Rinke
Um nichts Geringeres als den "Weltschlaf" geht es in dem Debütstück von...

UA: "Siri und die Eismeerpiraten" am LTT
Am 4. Dezember feiert Siri und die Eismeerpiraten von Frida Nilsson seine...

Neu: Charivari 2021
Charivari 2021: Unser aktuelles Verlagsprogramm für die Spielzeit 2021/22...

Ausgezeichnet: BR-Operettenfrosch 21/22 für "Clivia" von Nico Dostal an der Oper Graz
Die Neuproduktion von Nico Dostals Operette Clivia der Oper Graz wurde mit...

Martina Clavadetscher gewinnt Schweizer Buchpreis
Für ihren Roman Die Erfindung des Ungehorsams wurde Martina Clavadetscher am...

Neufassung: "Mack und Mabel" von Jerry Herman
Aus der Feder des La Cage Aux Folles-Komponisten Jerry Herman stammt der...

ÖE: "Ich, Ikarus" von Oliver Schmaering am Burgtheater, Wien
Am 14. November feiert Ich, Ikarus von Oliver Schmaering seine...

UA: "Anfang und Ende des Anthropozäns" von Philipp Löhle
Am 19. November ist die Uraufführung von Philipp Löhles Stück Anfang und Ende...

DSE: "Noch einen Augenblick" von Fabrice Roger-Lacan am Renaissance-Theater Berlin
Am 26. November findet die deutschsprachige Erstaufführung von Noch einen...

Neue Stoffrechte: "Eine runde Sache" von Tomer Gardi
Zwei Künstler aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten reisen durch...


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Bild von Jean-Luc LagarceLagarce, Jean-Luc

Geboren 1957 in der Region Haute-Saône. Nach dem Abitur beginnt er an der Universität von Besançon mit dem Studium der Philosophie. Parallel zu seinem Universitätsstudium ist er Schauspielschüler am Conservatoire National de Région. Mit Kollegen des Konservatoriums gründet er die Amateurtheatergruppe Théâtre de la Roulotte, benannt nach der ersten Truppe von Jean Vilar. Er beginnt zu inszenieren und eigene Stücke zu schreiben.

1980 schließt er das Philosophiestudium ab. Titel seiner Magisterarbeit: "Theater und Macht in der westlichen Welt". Eine begonnene Doktorarbeit über de Sade schließt er nicht ab, weil er sich dem Schreiben und seiner Theatertruppe widmet, die inzwischen professionell arbeitet.

Zwischen 1991 und 1993 schreibt Jean-Luc Lagarce nicht, nachdem sein Text "Juste la fin du monde" (Einfach das Ende der Welt) großes Unverständnis hervorgerufen hat. Diesen Text, den er während eines Arbeitsaufenthaltes in Berlin verfasst hat, übernimmt er 1995 praktisch in Gänze im dritten Teil seines letzten Textes, "Le pays lointain" (Das ferne Land). Zwei Wochen nach der Fertigstellung dieses Textes stirbt Jean-Luc Lagarce im Alter von 38 Jahren an Aids.

Jean-Luc Lagarce hat sein Leben dem Theater und der zeitgenössischen Dramatik gewidmet. Mit seiner Theatertruppe gründete er den Verlag Les Solitaires Intempestifs, um andere junge Autoren zu fördern. Der Name des Verlages ist Peter Handkes "Über die Dörfer" entlehnt: "Spielt also nicht zur Unzeit die einsamen Menschen (...)".
Schwer krank begleitete Jean-Luc Lagarce noch seine Produktionen auf Tournee. Am Vorabend seines Todes probte er "Lulu".


Weitere Informationen zu Jean-Luc Lagarce

 

Die Amtsanwärter

(Les prétendants)
Deutsch von Waltraud Boll
6D, 11H
UA: 18.02.1992, Théâtre en Actes Paris

In einem Kulturverein in der Provinz feiert man die Verabschiedung des scheidenden Direktors und die Einsetzung des Nachfolgers durch die Stadtverwaltung. Dazu wird hoher Besuch vom Ministerium erwartet, doch man hat vergessen ihn abzuholen. Jetzt versuchen alle, diesen Fauxpas wieder gutzumachen oder für sich zu nutzen. Man schüttelt Hände, spielt sich auf, stellt sich vor, greift an, braust auf, stellt sich bloß, kapituliert, macht Avancen, ist gekränkt, nähert sich an. Die städtische Kulturbeauftragte, intrigant, servil, machtverliebt, versucht die Fäden in der Hand zu behalten, die ehrenamtlichen Mitarbeiter fühlen sich verraten, der Regierungsvertreter spielt seine Macht genüsslich aus, Hierarchien werden entlarvt, Kompetenzrangeleien veranstaltet, und die Presse nutzt die Gelegenheit, einen Blick hinter die Fassade zu werfen. Man gibt sich großstädtisch, kann jedoch dem provinziellen Mief und Zwang nicht entkommen.

Lagarce gelingt in dieser meisterhaften, bittersüßen Komödie ein polyphones Szenen- und Sprachgeflecht aus Smalltalk, Höflichkeiten, Vertraulichkeiten und Gemeinheiten, bei dem alle miteinander, mit sich selbst und aneinander vorbei reden, und das in der für Lagarce typischen, mit der Lust an Wiederholungen so besonderen und starken Sprache.

"Jean-Luc Lagarce ist momentan einer der meistgespielten Autoren. Was für ein posthumer Ruhm! Er hat wenig gelebt und viel geschrieben. [...] Ein gelungener und ausgezeichneter Theaterabend."
Gilles Costaz, Politis, 23. Januar 2003 (zur Inszenierung am Théâtre National de Colline, Paris)

"Die Dialoge [...] sind unwiderstehlich. Man lacht, sogar wenn es einem die Kehle zuschnürt [...]. Lagarce gelingt ein Gesellschaftsgemälde voller köstlicher Komik, ohne in die Karikatur abzugleiten."
Annie Coppermann, Les Echos, 14. Januar 2003

Dieses Stück liegt auch in folgender Fassung vor:

Das Gipfeltreffen
Deutsch von Gerhard Willert