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Bild von Thomas RichhardtRichhardt, Thomas

Thomas Richhardt, geboren 1971 in Neuss am Rhein, studierte Diplom-Psychologie in Düsseldorf und Bochum. 1998 gründete er das "Theater ungehindert", eine Zusammenarbeit von professionellen und geistig-behinderten Schauspielern, für das seine ersten Stücke entstanden.

Für den "Düsseldorfer Sommer" im Düsseldorfer Schauspielhaus schrieb er das Stück "Schlachtfest oder Wie ich ein brauchbares Opfer werde" (uraufgeführt im Juli 2000, nominiert für das Festival Impulse), das die Biographien des Düsseldorfer Serienmörders Peter Kürten und seiner Frau Auguste aufgreift.

Seine Stücke werden oft in enger Zusammenarbeit mit den produzierenden Theatern entwickelt, so auch "Neue Welt" (2002), eine Parodie der literarischen Visionen von Aldous Huxley und George Orwell, das im Zusammenspiel der Schauspieler der Städtische Bühnen Münster mit dem Theaterjugendclub entstand.

Von 2000-2003 war er Dramaturg beim Kinder- und Jugendtheater der Städtische Bühnen Münster, von 2003-2006 beim neugegründeten Jungen Ensemble Stuttgart. Im Januar 2006 wurde Bonnie und Clyde - ein Stück für drei Schauspieler und einen Fluchtwagen am JES uraufgeführt.

Seit Oktober 2006 arbeitet Thomas Richhardt als freier Autor und Dozent des Literaturhaus Stuttgart, für das er u. a. Drama-Werkstätten für junge Autoren in Osteuropa betreut.

 

Bonnie und Clyde

Ein Stück für drei Schauspieler und einen Fluchtwagen
1D, 2H
UA: 28.01.2006, Junges Ensemble Stuttgart (JES) Stuttgart

Sie sind wieder da. Bonnie und Clyde. Zwei gegen den Rest der Welt. Ein Paar für die Ewigkeit. Sie treffen sich. Sie lieben sich. Sie kämpfen sich durchs Leben.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Bonnie Parker und Clyde Chestnut Barrow, die während der Weltwirtschaftskrise durch den Südwesten der USA reisten und eine Spur der Verwüstung hinter sich herzogen. Schätzungen zufolge waren sie verantwortlich für 13 Morde und ein Dutzend Bankraube. Hinzu kamen zahlreiche Überfälle auf Läden und Tankstellen.

Anhand biographischer Daten und autobiographischer Zeugnisse zeichnet Thomas Richhardt den Weg von Bonnie und Clyde vom ersten Kennenlernen bis zum gemeinsamen Tod im Kugelhagel am 23. Mai 1934. Dabei kontrastiert er den Mythos "Bonnie und Clyde" mit einer zweiten Ebene, einer Geschichte von heute, die von Judith, die eine Ausbildung bei einer Bank macht, und Steini, einem Polizisten, sowie dessen jüngeren Bruder Schneise, dem "Problemfall" der Familie handelt. Judith fühlt sich von dessen Abenteuerlust und nicht zuletzt seiner leicht kriminellen Ader angezogen, frei nach dem Motto "No risk, no fun".

Geschickt verwebt Richhardt in Bonnie und Clyde die verschiedenen Ebenen ineinander und reichert sie zudem mit den Nachbeben der Legende, die in der Musik, im Film und im realen Leben zu spüren sind. Entstanden ist ein Stück voller Ironie, Komik und Träume auf der einen und wenigstens ebenso viel Brutalität, Verzweiflung und Schmerz auf der anderen Seite. Das Stück "beschwört und dekonstruiert den Mythos [...] und erzählt von heutigen Jugendlichen und ihren Träumen, unabhängig, unangepasst und unerschrocken zu sein." (Stuttgarter Zeitung)

Bonnie und Clyde entstand für das Junge Ensemble Stuttgart, wo es im Januar 2006 uraufgeführt wurde.