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"Der Vorname" am Theater Baden-Baden
Am 25. Juni hatte Katrin Hentschels Inszenierung des Komödien-Klassikers Der...

"Kopfkino" von Thomas Zaufke und Peter Lund gewinnt beim New York Independent Film Festival
Thomas Zaufke und Peter Lund haben mit ihrem Musicalfilm Kopfkino beim New...

Ariane Koch beim Hans-Gratzer-Stipendium 2020
Ab 9. Mai werden die Stückentwürfe der sechs Finalist*innen des...

Sina Ahlers und Johanna Kaptein beim Heidelberger Stückemarkt
Sina Ahlers und Johanna Kaptein sind mit ihren Stücken Schamparadies und...

"Autoren schlagen Alarm" (Der Tagesspiegel)
Der Tagesspiegel berichtete am 12. Mai über ein drängendes Problem im Zuge...

"Der Fiskus" von Felcia Zeller in Mülheim
Felicia Zellers Stück Der Fiskus wurde für den Mülheimer Dramatikerpreis...

Neu: "Gigiwonder. Die Geschichte eines Beins" von Vera Schindler
Die Arbeiten laufen gut und Gigis Augen werden schwer. Als er aufwacht, ist...

Neu: "Noch einen Augenblick" von Fabrice Roger-Lacan
Suzanne liebt ihren Mann wie eh und je, auch wenn der eifersüchtige Julien...

Neu: "Wie der Vater, so der Sohn" von Clément Michel
Was, wenn Vater und Sohn eines Morgens im Körper des anderen aufwachen?...

Neu: "Hawaii" von Cihan Acar
Es sind die heißesten Tage im Jahr, Hundstage, die, so glauben manche,...

Neu: "Wolf unter Wölfen" (Oper) von Søren Nils Eichberg und John von Düffel
"Es ist hungrige Zeit, Wolfszeit. Wer stark ist, lebe! Aber wer schwach ist,...


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Guillou, Jan

Jan Guillou wurde 1944 im schwedischen Södertälje geboren und ist einer der prominentesten Autoren seines Landes. Lange Zeit war er als Journalist tätig. 1973 veröffentlichte Guillou einen Artikel über illegale Machenschaften beim schwedischen Geheimdienst IB, der eine umfangreiche Datensammlung über politisch aktive Personen und Organisationen angesammelt hatte, weshalb er für zehn Monate in Haft kam. Seine preisgekrönten Kriminalromane um den Helden Coq Rouge erreichten Millionenauflagen. Auch mit seiner historischen Romansaga um den Kreuzritter Arn gelang ihm ein Millionenseller, die Verfilmungen zählen in Schweden zu den erfolgreichsten aller Zeiten. Heute lebt Jan Guillou in Stockholm.
Der stark autobiografisch geprägte Roman "Ondskan" (Auf eigene Faust) beschreibt seine eigenen Erlebnisse im schwedischen Internat Solbacka.

 

Auf eigene Faust

(Ondskan)
nach dem Roman "Evil - Das Böse" von Jan Guillou
in einer Bühnenbearbeitung von Benny Haag
für Jugendliche ab 14 Jahren
Deutsch von Jana Hallberg
1H
UA: 09.09.1995, Dramaten Stockholm
frei zur DSE

Wenn Mutter in die Küche geht und Kaffee aufsetzt, dann ist es wieder so weit. Er muss Vater ins Schlafzimmer folgen, die Hosen runterlassen und sich auf Schläge gefasst machen. Mit der Hand, mit Kleiderbürsten, Schuhlöffeln, Hundepeitschen. Und ihm danach zur Versöhnung die Hand reichen. Ein junger Mann berichtet, erzählt eine wahre Geschichte – seine Geschichte, aus seiner Kindheit, die ihn schnell erwachsen macht. Er ist gerade mal 13 Jahre alt, als er von seinen Mitschülern gefürchtet und bewundert wird. Er hat gelernt einzustecken, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber er hat auch gelernt auszuteilen. Gewalt prägt seinen Alltag.
Nachdem er von der Schule verwiesen wird, ist ein Internat seine letzte Hoffnung auf einen Schulabschluss und einen Neuanfang. Nie mehr herausgefordert werden, nie mehr sich prügeln müssen. Doch das Eliteinternat steht unter dem Diktat eines sadistischen Schülerrates, der die Jüngeren unter dem Deckmantel der Erziehung erniedrigt, misshandelt und quält.
Gemeinsam mit seinem neuen Zimmergenossen und einzigem Freund Pierre versucht er, der Gewalt mit der Idee des passiven Widerstandes entgegenzutreten. Bloß nicht einknicken, auch wenn die Maßnahmen immer heftiger werden. Die Erfahrung der größtmöglichen Brutalität und Erniedrigung wird für den Jungen zum Ursprung einer neuen Entschlossenheit: Er kann und will sein Leben nicht mehr durch Gewalt bestimmen lassen.

Der Monolog Auf eigene Faust schildert eindrücklich und unerträglich vom Reiz und der Übermacht des Bösen und davon, wie viel Kraft es braucht, um einen Befreiungsschlag zu wagen. Jan Guillou beschreibt die brutalen Erniedrigungen in erschreckender Emotionslosigkeit, die unmittelbar zuschlägt und berührt. Zugleich geraten die eigenen moralischen Grundsätze immer wieder ins Wanken. Wie wird ein Mensch zum sadistischen Tier? Wie kommt es, dass die anderen nicht eingreifen? Die eigene Mutter duldet es, die Lehrer schauen weg, die Mitschüler schauen zu. Wie hält man diesem Ausgeliefertsein stand? Was setzt man ihm entgegen? Kann man schlussendlich Gewalt nur mit Gewalt begegnen?