24.04.2019

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Bild von Oliver SchmaeringSchmaering, Oliver
Foto: Stefan Arend 

Oliver Schmaering wurde 1968 geboren und studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg. Seit 2001 arbeitet er als freier Autor und Dozent für Dramaturgie, Drehbuch und Filmtheorie. Er erhielt ein Schreibstipendium des Theaterhauses Jena und den Förderpreis der Freunde des Deutschen Schauspielhauses, wo er zu den Autoren-Werkstatttagen eingeladen war. Sein Seefahrerstück wurde mit dem Förderpreis für neue Dramatik beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2005 ausgezeichnet.

 

Big Republic

2D, 2H, Besetzung variabel
UA: 27.05.2017, Theater Rampe Stuttgart

Jewgeni Samjatin nahm in seinem Roman "Wir" 1920 die Dystopien des 20. Jahrhunderts vorweg: den totalitären Staat, die gläserne Stadt und den kollektivierten Menschen. Oliver Schmaering stellt in seiner Überschreibung Samjatins die Frage nach Gemeinschaft und ihrer Verträglichkeit für die Gegenwart neu. Die Generation Y begibt sich auf Sinn- und Selbstsuche in unserer Big Republic of Germany. Das Ergebnis ist eine große demokratische Show mit gut klingenden Aussagen, die sich reimen, die Musik sein könnten: Sprache als Sound. Schmaerings Text navigiert durch kollektive Bild-, Sprach- und Musikwelten zwischen Oper, Messe und Romanze.

Während die Gemeinschaft im "einzigen Staat" in schier unendlichen Konferenzen über sich selbst nachdenkt, will der Konstrukteur D-503 lieber seinen Auftrag erfüllen. Er soll eine Rakete bauen, um die Botschaft der Big Republic, ein "Best of der Menschheit" auf goldenen Platten, weit über sich hinaus in die Zukunft zu katapultieren. Dagegen hat die Bloggerin I-330 den Venusberg entdeckt, wo noch Fleisch gegessen und begehrt wird. Mit ihr geht es in den Untergrund, was D-503 schwer zu schaffen macht. Zur Sabotage ist er nicht bereit - aber zur Liebe?

"Ein kleiner Teil eines futuristischen, allgegenwärtigen Globalstaats aus Menschen mit optimiertem Alltag fragt nach humaner Identität. 'Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten', fand Rousseau. Diese Frage stellt das Stück recht deutlich: Welche Ketten sind schlecht?" (Stuttgarter Zeitung)