24.10.2017

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Bild von FALKNERFALKNER
Foto: Zerouati 

Schriftstellerin, Dramatikerin und Hörspielregisseurin.
Geboren als Michaela Falkner 1970 Österreich, arbeitet und lebt in Wien und Algier. Promovierte in politischer Psychologie (zum Thema Verbale Konstrukte).
FALKNER deklariert ihre Arbeiten, egal in welchem Medium, als Manifeste. Ein Gesamtwerk, das sie Stück für Stück, Nummer für Nummer entwickelt, festhält und fortschreibt, eine Welt- und Sehnsuchtsformel in mittlerweile 52 Teilen.
Der Gestus von FALKNERs Texten ist einer, der über alle Gattungs- und Genregrenzen hinweg eine Ausdrucksform sucht, die Text mit performativen, theatralisch-deklamatorischen Mitteln inszeniert. Dieser Text ist immer Partitur, egal welches Medium, welche Bühne er nutzt, die Inszenierung ist ihm eingeschrieben.

Hörspiel

Manifest 51 / DER VOGEL, DER VOGEL
Hörspiel WDR3 (Text & Regie; US 19.01.2017)

Manifest 50 / DU DARFST MICH TÖTEN, WENN DU MICH LIEBST
Hörspiel hr2 (Text & Regie; US 16.11.2016)
Auszeichnet als „Hörspiel des Monats November 2016“ durch die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste

Manifest 49 / DRAUSSEN UNTER FREIEM HIMMEL
Hörspiel WDR3 (Text; US 05.12.2015)
Ausgezeichnet für die Beste Schauspielerische Leistung bei den „ARD Hörspieltagen 2016“

Manifest 44 / DER SCHWARZE TRAUERZUG, AMSEL, DROSSEL, FINK UND STAR, DER RABE, DER RABE, DER UHU, DER UHU
Hörspiel Ö1 (Text und Regie; US 13.05.2014)
2015 Ausgezeichnet mit dem „Ö1-Hörspielpreis der Kritik“

Manifest 42 / HERZEN RAUBEN, WO DIE LIEBE AUSREICHEN WÜRDE
Hörspiel WDR3 (Text und Regie; US 22.03.2014)

Manifest 38 / NUR DIE SEKUNDE ODER ZWEI, die einer braucht, um nicht aufzugeben, um „Lügner, Lügner, Lügner“ zu brüllen, sobald sie wieder auftauchen
Hörspiel WDR3 (Text, Regie, Sprecherin; US 01.09.2012)

Buch

Du blutest, du blutest (Residenz Verlag 2011)

Kaltschweißattacken. Requiem für vor Euphorie aufgeschlagene Knie (Residenz Verlag 2009)

Falkner II. Eine Moritat in siebzehn Bildern (Czernin Verlag 2006)

A Fucking Masterpiece (Czernin Verlag 2005)

 

Manifest 49 / Draußen unter freiem Himmel

Hörspiel
1D, 1H, Wetterbericht, Menschen

Schwere Stürme ziehen über Nordeuropa, es ist unerträglich heiß. Menschen drängen ins Landesinnere. Bürgerkrieg droht. Die Welt gerät aus den Fugen, aber niemand will es wahrhaben, die Struktur der Stadt verändert sich stündlich, Teile brechen einfach weg. Diese Teile werden ersetzt, oder sie hinterlassen riesige Löcher, Krater, in die Menschen hineingetrieben werden. Ganz offensichtlich wird ein Teil der Bevölkerung ausgetauscht. Die Bewohner der Stadt sind wie Zombies und merken nichts davon. Ida und Ivan wehren sich gegen die allmächtige Stadtregierung und dokumentieren die neuen Straßenverläufe, arbeiten an einer Kartografie. Ida und Ivan sind die einzigen, die verzweifelt versuchen, etwas zu retten - und sei es nur, die Erinnerung an das, was gewesen ist.
Ida will unbedingt nach draußen, aber Ivan lässt sie nicht hinaus. Er will sie schützen vor den Blicken der Menschen. Ida war drei Jahre in Gefangenschaft, wurde gefoltert, ihr Gesicht ist Zeugnis davon, ihr Gesicht löst sich zusehends auf, Teile brechen einfach weg. Ivan ist jener an der Schnittstelle zwischen Drinnen und Draußen – und diese Beziehung ist nicht unschuldig und nicht frei von Gewalt. Ivan hat Schuldgefühle, sich schuldig gemacht. Ida sucht verzweifelt Reste der Welt, wie sie sie kannte. Aber die Welt da draußen ist vor allem mit der Auslöschung all dessen was gewesen ist beschäftigt, einem absoluten, rücksichtslosen Vergessen. Und Ida, ihr Anblick, ihr Wissen, stören die Menschen bei diesem Vergessen.
Nachrichten, Informationen gibt es keine mehr, es gibt nur noch Wetterberichte. Das Stück ist durchwoben von diesen Wetterberichten/Wetternachrichten, die das aus den Fugen geraten der Welt abbilden, die das alptraumhafte Setting erfahrbar/sichtbar machen. Der Wetterbericht bereitet die Katastrophe vor und betreibt gegen Ende ganz offen Hetze gegen Ida. Es wird im Laufe des Stücks immer deutlicher, dass der Wetterbericht im Dienste der Propaganda steht.
Ida ist eine Fremde in dieser Welt. Wie Jean Améry in seinem Essay „Die Tortur“ aus eigener Erfahrung berichtet, nach dem ersten Schlag durch den Folterer sei das Weltvertrauen des Gefolterten unwiederbringlich zerstört, es mache ihn zu einem Fremden in dieser Welt, er könne nie mehr ins Leben zurück finden. Zusammen mit Idas Angst führt dies zu ihrer Radikalität, sich am Ende des Stückes nochmal zu zeigen, auf Drängen des Volkes hinauszugehen. Und es ist der Wetterbericht, der Sonntagmorgen verkündet dass Ida um 12 Uhr aus dem Haus treten wird!

Produktion: WDR 2015 / 53' / Regie: Hannah Georgi / Musik: Andreas Bick / Ausgezeichnet für die Beste Schauspielerische Leistung bei den „ARD Hörspieltagen 2016“

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