24.11.9637

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"Wartesaal" von Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
In Lion Feuchtwangers berühmter Wartesaal-Trilogie bestehend aus den Romanen...

DSE: "Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot am Schauspiel Frankfurt
Am 26. November ist die deutschsprachige Erstaufführung von Die...

"Alice" am Metrolpoltheater München
Herzlichen Glückwunsch zum Nichtgeburtstag und toi, toi, toi dem Münchener...

"Die Orestie" am Thalia Theater in Hamburg
Am 21. Oktober feierte Aischylos' Werk Die Orestie in der Bearbeitung von...

UA: "Eine Weihnachtsgeschichte" von Philipp Löhle nach Charles Dickens
"Die Reise führt tief hinein ins Unterbewusste des alten Griesgrams, wo die...

Neu bei FBE: "Blütenzeit (Blossom Time)" von Dorothy Donnelly und Sigmund Romberg
Blütenzeit ist die amerikanische Version des Wiener Singspiels "Das...

UA: "Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
Was passiert eigentlich mit der Welt, wenn ich die Augen zumache? Wie kommen...

DER FAUST für Hannah Biedermann
Am Freitag ist Hannah Biedermann der Deutsche Theaterpreis DER FAUST...

Brüder-Grimm-Preis 2017 für "NASSER #7Leben"
Der mit 10.000 Euro dotierte Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin geht in...

Neu bei FBE: "Mit deinem Bein im Mund lässt es sich viel leichter ich liebe dich Luka sagen" von Marcus Peter Tesch
Körper hängen wie geschlachtete Tiere von der Bühnendecke. Es sind die...

NEU bei Desch: "Jugendliebe" von Ivan Calbérac
Antoine Chopin hat alles – eine wunderschöne Freundin, beruflichen Erfolg und...


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Bild von Johannes HoffmannHoffmann, Johannes
Foto: Harald Morsch 

Johannes Hoffmann, 1981 in Graz geboren, ist Schauspieler und Autor. Er studierte Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien, nahm 2011 bis 2013 am FORUM Text Lehrgang von uniT teil. Sein Stück "Laichen" gewann 2012 bei "Text trifft Regie" am Staatstheater Mainz und wurde dort 2013 uraufgeführt. 2012 und 2014 erhielt er das Dramatikerstipendium des BMUKK und 2013 den Literaturförderpreis der Stadt Graz. Sein Stück Mordbrenner wurde für den 2. Autorenwettbewerb der Theater St. Gallen und Theater Konstanz nominiert. Johannes Hoffmann war für den Retzhofer Dramapreis 2015 nominiert. Im September 2016 wird sein neues Stück "Jeunesse dorée" am Kosmos Theater Bregenz uraufgeführt, das im Rahmen der Theaterallianz entstanden ist.

 

Jeunesse dorée

2D, 2H
UA: 06.10.2016, Theater Kosmos Bregenz

Ein Charity-Event im Freien. Zelte. Pool. Grüne Wiese. Alles sehr exklusiv, aber auch romantisch. Unter dem Schutzmantel der Wohltätigkeit lässt sich Nützliches mit Gutgemeintem verbinden. Man macht Geschäfte, man zeigt sich, man gehört dazu. Der Ort ist abgesichert und abgelegen. Man ist unter sich. Die Reichen haben ihre Familien mitgebracht. Ihre Kinder leben in teuren Internaten, besuchen Privatschulen und Eliteuniversitäten. Aljoscha, Clemens, Julie und Berenice kennen sich, sie haben sich schon öfter auf solchen Events getroffen. Man unterhält sich, tauscht belanglose Floskeln aus – Gesprächsfetzen einer sinnentleerten Party. Doch der plaudernde Ton wird schärfer, unter den Plattitüden sammelt sich etwas Neues, Fremdes – Aggressionen haben sich angestaut, Unsicherheiten werden zu nackter Existenzangst, die vereinzelt durchbricht. Die "Krise", die sich in der politischen Landschaft ausbreitet, macht sich auch in diesen Kreisen bemerkbar, zumal die Welt globaler und scheinbar auch härter geworden ist. Der zur Routine gewordene Konkurrenzkampf wird zugespitzt und existentieller. Mit der latent wachsenden Angst ändert sich auch das Umfeld. Die Palmen scheinen aus Plastik zu sein. Das Wasser im Pool nur eine Projektion, das Rauschen des Meeres aus Lautsprechern zu kommen. Das "Außen" wird zunehmend spürbar. Beunruhigende Nachrichten werden empfangen, Helikopter überfliegen das Gelände ungewöhnlich oft und tief. Die Alarmanlagen, der elektrische Zaun bieten keinen Schutz, vielmehr machen sie eine Flucht unmöglich. Je realer die Bedrohung von außen zu werden scheint, desto größer wird der Druck von innen.

Als "Vergoldete Jugend" bezeichnet der Duden den Begriff Jeunesse doreé. Die Kinder der Elite, eine Jugend, die zur begüterten Oberschicht gehört und deren Leben durch Luxus und Amüsement gekennzeichnet ist. Wie funktioniert diese Elite? Johannes Hoffmann untersucht in seinem Stück gesellschaftliche Angstzustände. In einem fast laborhaften Setting lässt er nicht die Protagonisten der Macht direkt auftreten, sondern diejenigen, die noch in der zweiten Reihe stehen, aber schon bald in Spitzenpositionen landen, wirtschaftlichen und politischen Einfluss besitzen und unsere Zukunft maßgeblich mitbestimmen werden. Zwischen Aufbruch und Abgrund zeigt Jeunesse dorée modellhaft den Zerfall eines zivilisatorischen Miteinander.

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