28.07.2017

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Neu bei FBE: "Neonazi" von Timo F.
Timo war Neonazi. Obwohl er für die Ideologie nie etwas übrig hatte, landet...

Neu bei FBE: FALKNER
Die österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin und Hörspielregisseurin...

Sommertheaterpremieren Teil II
Wann gibt es wohl eine bessere Gelegenheit zum Sommernachtsträumen als an...

"Kannst du pfeifen, Johanna?" von Ulf Stark an der Bayerischen Staatsoper
Am 8. Juli 2017 ziehen Groß und Klein, womöglich mit probehalber gespitzten...

Oscar Straus
Oscar Straus, schon zu Lebzeiten eine international gefeierte Größe, erlebt...

Neu bei FBE: "Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot
Die neunjährigen Sabah und Romain kommen aus verschiedenen Welten, aber...

DSE: "Entweder … oder?" am Phosphor-Theater Aachen
Am 12. August 2017 feiert Jean-Claude Grumbergs schwarzhumorige Farce...

"Feuer fangen" von Luc Tartar an der Landesbühne Nord
In Wilhelmshaven feiert am 26. August Luc Tartars Feuer fangen an der...

Doppelte Auszeichnung bei den Privattheatertagen in Hamburg
Am Sonntag, den 25. Juni 2017, wurde als Abschluss der diesjährigen...

Erstaufführung: "Kommissar Gordon - Der erste Fall" von Ulf Nilsson in Bielefeld
Am Trotz-Alledem-Theater in Bielefeld begibt sich ab 27. Juni Ulf Nilssons...

Rückblick: Uraufführung "Umständliche Rettung" von Martina Clavadetscher am Schauspiel Essen
Am 28. April wurde am Schauspiel Essen das Stück Umständliche Rettung von...

Neu bei FBE: "SUPERBUHEI" von Sven Amtsberg
Dass Hannover-Langenhagen der Platz sein würde, den das Leben ihm zugedacht...

Sommertheaterpremieren Teil 1
Passend zur Hochsaison der Eheschließungen starten die diesjährigen...


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Placey, Evan

Der kanadisch-britische Autor Evan Placey wuchs in Toronto auf und lebt in London. Sein erstes abendfüllendes Theaterstück mit dem Titel "Mother of Him" (2010) gewann den King’s Cross Award for New Writing, Canada’s RBC National Playwriting Competition und den Samuel French Canadian Play Contest. Zahlreiche Stücke folgten, darunter "Banana Boys" (2010), "Suicide(s) in Vegas", "Scarberia" (2012), "How was it for you?" (2012) und "Holloway Jones" (2011). Letzteres erhielt den Brian Way Award 2012 für das beste Jugendstück. Placey schloss sein Studium an der Central School of Speech and Drama und an der McGill University ab und ist heute selbst Dozent an der University of Southampton und unterrichtet dramatisches Schreiben am National Theatre in London, am Tricycle Theatre und in Gefängnissen. Er gewann mit Mädchen wie die den Writers’ Guild Award als Bestes Stück für junges Publikum.

Mädchen wie die gewann den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg 2016 und war für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2016 nominiert.

 

Mädchen wie die

(Girls Like That)
Deutsch von Frank Weigand
6D
UA: 12.07.2013, Birmingham Repertory Theatre Birmingham
DSE: 17.09.2016, Theater Duisburg Duisburg

Mitten in der Geschichtsstunde, als die Lehrerin gerade über das Wahlrecht der Frauen spricht und die meisten Schülerinnen langsam wegdösen, wird es heller im Klassenzimmer der Mädchenschule St. Helens, die Handys blinken auf, es brummt und piept, alle Blicke wandern auf die Smartphones: ein Nacktfoto ist zu sehen, ein Foto der Mitschülerin Scarlett. Schnell sind alle wach, es wird weitergeleitet und geteilt, die Neuigkeit verbreitet sich wie ein Lauffeuer und innerhalb weniger Sekunden ist die gesamte Schule eingeweiht. Anstatt mit Scarlett zu sprechen, werden schnell weitere Vermutungen und Gerüchte über sie verbreitet. Die Angst, den eigenen Ruf zu ruinieren, lässt die Mädchen von Scarlett Abstand nehmen. Sie gehen sogar so weit, ihr vorzuwerfen, sie bringe mit ihrem Verhalten alle Mädchen in Verruf. Es dauert nicht lange und ein zweites Foto geht an alle Schüler raus: Wieder ein Nacktfoto, doch diesmal ist ein Junge zu sehen: der allseits beliebte Russell. Den Spießroutenlauf, den Scarlett hinter sich hat, steht Russell nicht bevor. Denn Russell ist ein Junge und das ist ein Unterschied, denn: "Ein Schlüssel, der eine Menge Schlösser aufkriegt, ist ein richtig guter Schlüssel. So ne Art Generalschlüssel. Aber ein Schloss, das eine Menge Schlüssel öffnen können, ist ein echt beschissenes Schloss." Doch Scarlett schlägt zurück und nutzt dabei die Stärke mehrerer Frauengenerationen ihrer Familie.

Evan Placey beschreibt mit direkten und ehrlichen Worten, wie grausam Kinder und Jugendliche werden können, wenn sie sich zu einer Gruppe formieren und ein gemeinsames Opfer gefunden haben. Placey stellt drei Frauengenerationen und die Verhältnisse, gegen die sie ankämpfen müssen, in den Vordergrund. Er macht schonungslos deutlich, dass die Kinder derer, die auf die Straßen zogen und sich für das Wahlrecht der Frau einsetzten, dieses Gemeinschaftsgefühl und die Stärke, füreinander einzutreten, verloren haben. Es ist kein ständiger Kampf mehr gegen chauvinistische Machtspielchen, aber ein erbarmungsloser Krieg untereinander, bei dem sich jeder gegenseitig das Leben zur Hölle macht und froh ist, wenn es den anderen trifft. In der Figur der Scarlett lässt Placey einen Hoffnungsschimmer durchblitzen, denn sie zeigt Rückgrat und behauptet sich gegen ein Meer von Mitläuferinnen. Im Zusammenhang mit der Uraufführung am Birmingham Repertory Theatre schrieb "The Guardian": "Das Stück sollte von vielen Jugendlichen gesehen werden. Und auch von ihren Eltern, die wahrscheinlich geschockt sein werden."

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