23.02.2019

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Bild von Arne LygreLygre, Arne
Foto: Andreas Bache-Wiig 

Arne Lygre wurde 1968 in Bergen, Norwegen, geboren. Sein Debüt als Dramatiker machte er 1998 mit dem Stück Mama und ich und Männer. Seitdem hat er weitere Theatertexte geschrieben, darunter Ewig leben, Schatten eines Jungen und Mann ohne Aussichten.

Lygres Stücke wurden vielfach übersetzt und in mehreren Ländern Europas veröffentlicht und inszeniert. U. a. wurde Mann ohne Aussichten 2007/08 am Odeon Theater in Paris von Claude Régy inszeniert. 2011 erhielt Arne Lygre mit Tage unter eine Einladung zur spielzeit'europa. Das Stück war erstmals 2009 in Dänemark zu sehen. Sein Theatertext Ich verschwinde wurde 2011 am Théâtre National de la Colline in Paris uraufgeführt und 2013 mit dem norwegischen Ibsen-Preis ausgezeichnet.

Für sein erstes Buch, "Tid inne", eine Sammlung von 23 Kurzgeschichten, wurde Arne Lygre 2004 mit dem renommierten Brage-Preis des norwegischen Verlegerverbandes ausgezeichnet.


Weitere Informationen zu Arne Lygre

 

Schatten eines Jungen

(Skugge av ein gut)
Schauspiel
Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel
3D, 2H
UA: 23.03.2006, Det Norske Teatret Oslo
DSE: 06.04.2018, Deutsches Theater Göttingen

Tom hat als Teenager seine Eltern verloren. Anna, die beste Freundin seiner Mutter und Nachbarin der Familie, die sich immer einen Sohn gewünscht, aber nie bekommen hat, kümmert sich um Tom. So gut, dass sie das ersehnte Kind schließlich von ihm erwartet.

Ein Übermaß an Liebe, das fast ein Klammern ist, äußert sich merkwürdig und rührend bei den Erwachsenen, sowohl miteinander als auch mit dem Jungen Tom. Wo viel Liebe ist, gibt es auch viel Eifersucht, kleine Stiche, die jeder einmal dem anderen gegenüber fühlt und die immer Tom im Mittelpunkt haben. Tom ist darin gefangen, er selbst hat kaum Freunde und zu einer Freundin kommt es nie. Er erfüllt passiv, was sich die Menschen um ihn herum von ihm wünschen.

Arne Lygre spielt in seinem Stück mit Zeit- und Erzählperspektiven. Toms Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitrichtungen erzählt – die Vergangenheit und die Zukunft –, so dass man am Ende Toms gesamten Werdegang von der Geburt bis zur Volljährigkeit miterlebt hat. Die bruchstückhaften Informationen setzen sich nach und nach zu einem immer klareren Bild der Familie zusammen. Die Vergangenheit beeinflusst die Gegenwart wie auch die Zukunft. Drei Beerdigungen finden statt und ein Baby kommt früh um. Zum Schluss wiederholt sich die Geschichte mit neuen Mitspielern: Annas Baby, das sie mit ihrem Pflegesohn Tom gezeugt hat, wird nach ihrem plötzlichen Tod wiederum von ihrer Nachbarin aufgezogen.

Lygre spielt mit Sprache, mit ihr macht er Wiederholungen deutlich, Gefühle spürbar. Die Figuren flüchten sich unvermittelt in die dritte Person und verdeutlichen damit Innenzustände, schaffen Distanz zu den Situationen und ermöglichen sich selbst einen Ausweg aus gefühlsmäßig schwierigen Momenten. Entstanden ist ein Stück über die Aussichtslosigkeit der Liebe.

Schatten eines Jungen ist ein formal ungewöhnliches Stück. Wie schon in seinen beiden ersten Stücken Ewig leben und Mama und ich und Männer spielt Arne Lygre auch hier virtuos mit einer Vielzahl sprachlicher und dramaturgischer Stilmittel, die das Stück zu einer reizvollen Entdeckung machen.

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