Aktuelle Nachrichten

SE: Chris D’Arienzos "Rock of Ages" in Emmenbrücke
Am 14. Dezember ist am Le Théâtre in Emmenbrücke die Schweizer Erstaufführung...

Neu bei FBE: "Peter Pan" von CocoRosie & Robert Wilson
Robert Wilson und das amerikanisch-französische Freak-Folk-Duo CocoRosie...

Ausgewählt: Maria Ursprung bei den Autorentheatertagen 2020
Die Jury hat getagt und aus über 150 Einsendungen die drei Gewinnerstücke der...

"Sprachschön und brutal": Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis für Felicia Zeller
Felicia Zeller wird mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2020...

UA: "Die Bademattenrepublik" am JES
Am 1. Dezember war die Uraufführung von Die Bademattenrepublik nach dem...

DSE: Nina Segals "Nachts (bevor die Sonne aufgeht)" in Mainz
Am 14. Dezember ist die deutschsprachige Erstaufführung von Nina Segals Stück...

Neu bei Desch: "Weinprobe für Anfänger" von Ivan Calbérac
Steve ist nicht nur ein vorbestrafter Gauner, sondern entpuppt sich durch...

Neuübersetzungen: "Die Nashörner" und "Bunbury"
Die Neuübersetzungen von Die Nashörner und Bunbury unterstreichen die...

"Die Mitwisser" von Philipp Löhle am Theater Osnabrück
Am 7. Dezember hat die Inszenierung von Philipp Löhles Stück Die Mitwisser...


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Aktuelle Premierenberichte
Bild von Martina ClavadetscherClavadetscher, Martina
Foto © Ingo Höhn 

Martina Clavadetscher wurde 1979 geboren. Sie studierte Germanistik, Linguistik und Philosophie in Fribourg und Berlin. Sie arbeitet als Autorin, Dramatikerin und Radio-Kolumnistin und lebt in der Schweiz. In der Spielzeit 2013/2014 war Martina Clavadetscher Hausautorin am Luzerner Theater. Mit ihrem Stück Umständliche Rettung gewann sie die Essener Autorentage "Stück auf!" 2016 und wurde kurze Zeit später für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Mit ihrem Prosadebüt "Sammler" war sie zum Auftritt der Schweiz auf der Leipziger Buchmesse eingeladen. Ihr Roman "Knochenlieder" war für den Schweizer Buchpreis nominiert. 2018 war sie zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt eingeladen und damit für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.

 

Der letzte Europäer

3D, 1H
UA: 25.02.2017, Theater Neumarkt Zürich

Frau Angst hat ihren Kontinent fest im Griff. Die Muttermaschinen laufen wie geschmiert, alles funktioniert wie immer, auch wenn draußen ein unsichtbarer Krieg tobt. Niemand bewegt sich und alle sind zufrieden, auch der letzte Europäer. Die Muttermaschine füttert ihn täglich mit den ewig gleichen Trugbildern. Damit die lästigen Träume verschwinden und nur die weichgespülten Erinnerungen übrigbleiben. Der Letzte hält eisern an den Routinen und seinem Müsli fest, spaziert durch die hübsch angelegten Wege seines symmetrischen Jardin des Étoiles. Alles scheint geordnet, alles bleibt harmonisch abgegrenzt.
Nur eine Hündin fühlt sich gelangweilt. Sie wünscht sich Chaos und Dreck zurück. Einen Unort, wo man sich gleichermaßen Freund und Feind ist, wo man sich wieder spüren kann, vielleicht barbarisch, aber dafür real. Die Hündin fordert die Angst zu einer Wette heraus. Sie ist davon überzeugt, dieses eine Exemplar zum Ausbruch zu bewegen. Dazu begeben sich die Hündin und der letzte Europäer auf eine Reise, die keine ist.

Die Schweizer Autorin Martina Clavadetscher verhandelt in ihrem neuen Stück Der letzte Europäer, das als Auftragswerk für das Theater Neumarkt entstanden ist, nichts weniger als die naheliegende sowie dramatische Vorstellung, das gute alte Europa könnte bald schon Vergangenheit sein. In einer von Angst und Mythen gelenkten Phase der Weltgeschichte gedeiht keine große Idee mehr – oder wie es Nietzsche nannte: Der letzte Mensch kann keinen Stern mehr gebären. Man scheint sich einig: Jede Aufregung soll folgenlos bleiben, jede Handlung korrekt geplant und kontrolliert. Die tatsächliche Selbstbestimmung hat längst dem Sicherheitswahn Platz gemacht. Was bleibt, ist der passive Widerstand, der darin besteht, sich mit Illusionen einer vermeintlichen Freiheit und Aufgeklärtheit füttern zu lassen.

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