Aktuelle Nachrichten

Neu bei FBE: "Peter Pan" von CocoRosie & Robert Wilson
Robert Wilson und das amerikanisch-französische Freak-Folk-Duo CocoRosie...

Ausgewählt: Maria Ursprung bei den Autorentheatertagen 2020
Die Jury hat getagt und aus über 150 Einsendungen die drei Gewinnerstücke der...

"Sprachschön und brutal": Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis für Felicia Zeller
Felicia Zeller wird mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2020...

UA: "Die Bademattenrepublik" am JES
Am 1. Dezember war die Uraufführung von Die Bademattenrepublik nach dem...

DSE: Nina Segals "Nachts (bevor die Sonne aufgeht)" in Mainz
Am 14. Dezember ist die deutschsprachige Erstaufführung von Nina Segals Stück...

Neuübersetzungen: "Die Nashörner" und "Bunbury"
Die Neuübersetzungen von Die Nashörner und Bunbury unterstreichen die...

"Die Mitwisser" von Philipp Löhle am Theater Osnabrück
Am 7. Dezember hat die Inszenierung von Philipp Löhles Stück Die Mitwisser...

SE: Chris D’Arienzos "Rock of Ages" in Emmenbrücke
Am 14. Dezember ist am Le Théâtre in Emmenbrücke die Schweizer Erstaufführung...


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Aktuelle Stücke
Aktuelle Premieren
Aktuelle Premierenberichte
Mommertz, Paul

Paul Mommertz wurde 1930 in Aachen geboren und arbeitet als freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Er studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte, auch Philosophie und Psychologie in Würzburg, Wien und Bonn und schrieb eine Dissertation über die Rolle des Aphorismus in Literatur und Philosophie. Mommertz hat bereits zahlreiche Preise erhalten, darunter der Dramatikerpreis der Münchner Kammerspiele, den Tukanpreis der Stadt München, einen DAG-Fernsehpreis, die Silberne Nymphe von Monte Carlo, einen Silbernen Hugo beim 24. Internationalen Filmfestival Chicago, sowie 1985 beim World Television Festival in Tokio den Dokumentarspiel-Preis für Die Wannseekonferenz. Seine Arbeit ist mitgeprägt durch Jugenderfahrungen: durch den damals sehr starken rheinischen Milieukatholizismus, den Bombenkrieg 1942-1945, in dem er nicht nur seinen Vater, sondern auch Schulfreunde verlor, und durch den Nationalsozialismus. Mit dem Nationalsozialismus setzt er sich in Hörspiel, Theater und Fernsehen immer wieder auseinander. Krieg, Luftkrieg und Judenverfolgung sind Hintergrund des autobiografisch getönten Drehbuchs "Senta und Sam". Das Katholische, zu dem Mommertz heute in kritischer Solidarität steht, zeigt sich in dem Drehbuch "Fritz Moskau", vor allem aber im Aphorismenband "Sinnthesen". Seine Meinung zu Politik und Gesellschaft hat er in provokanter Zuspitzung formuliert in den Aphorismenbänden "Sichtwechsel I und II".

 

Gerichtstag - der Fall Hamsun

Dokumentarisches Schauspiel
1D, 1H

Beide, Knut und Marie, bewunderten Adolf Hitler und den Nationalsozialismus. Hamsun polemisierte nach der deutschen Invasion gegen die Widerstandsbewegung, besuchte den Reichspropagandaminister in Berlin und Hitler auf dem Obersalzberg; und Marie ließ sich auf Lesereisen als Sympathisantin des NS-Regimes feiern. 1945, am letzten Kriegstag, in einem unerhört skandalösen Zeitungsartikel, huldigte Hamsun noch einmal Hitler und "verneigte sich vor ihm in Ehrfurcht". Dies brachte ihm die anhaltende Ächtung durch die literarische Welt ein, Isolierung, Internierung, Prozeß, Verurteilung, Bankrott, Schmähung und Haß. Die letzten gemeinsamen Jahre der Hamsuns standen im Zeichen der Verarbeitung ihrer Verstrickung in ein endgültig als verbrecherisch entlarvtes Regime: Hamsun distanzierte sich, wenn auch nicht öffentlich, Marie "blieb sich treu."

Aus diesem dramatischen Konflikt entwickelt Paul Mommertz' Stück Szenen einer Ehe zwischen zwei außergewöhnlich starken und eigenwilligen Persönlichkeiten, die - wie Hamsun mit Ibsen erklärt - ,Gerichtstag' halten über sich selbst, wobei Marie die dunklen Motive seiner Provokationen zu entschlüsseln sucht. Exemplarisch wird deutlich die zeitlose Dialektik von Kunst und Politik, Privatem und Öffentlichem, Individuellem und Allgemeinem, Schuld und Katharsis. Das Stück verfährt wie andere Arbeiten des Autors (Die Wannseekonferenz) dokumentarisch unter Berücksichtigung aller erreichbaren Zeugnisse und Quellen: Biographien, Autobiographien, Briefwechsel, Akten, Zeugenaussagen und Werke.

Eine frühere Fassung des Dramas hatte seine Uraufführung am Stadttheater Baden-Baden. Ebenso erfolgreich war eine Hörspielfassung mit Hanna Hofer und Curt Bois in einer Inszenierung von Ernst Wendt. Das Stück liegt vor in einer Zwei-Personen-Fassung (2 Akte) und in einer Ensemblefassung (5 Akte): 2 Haupt-, 11 Neben-, 5 stumme Rollen. Es spielt in der Einheit von Ort und Zeit in einer einzigen Dekoration.

Werk aus dem Programm des Theaterverlag Werk aus dem Programm des Theaterverlag Desch