15.12.2018

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Auf der Fahrt des Orientexpress von Istanbul nach Calais fällt ein...

Eine Auswahl: Familienstücke für die Weihnachtszeit
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Neu bei FBE: "Der Name der Rose" (Umberto Eco / Gisle Kverndokk / Øystein Wiik)
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Neu bei FBE: "Ich werde nicht hassen" von Izzeldin Abuelaish
Dies ist die Geschichte von Dr. med. Izzeldin Abuelaish, einem...

Premiere: "Little Voice" am Theater Paderborn
Am Theater Paderborn inszeniert Katharina Kreuzhage Little Voice von Jim...

Deutscher Kindertheaterpreis 2018 für Fabrice Melquiot und "Die Zertrennlichen"
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Bild von Joel Drake JohnsonJohnson, Joel Drake

Joel Drake Johnson ist Mitglied des Victory Gardens Theatre Playwright-Ensembles in Chicago. Four Places, Finalist des National Art's Club's Best New Play 2006, ist seine dritte Uraufführung für das Victory Gardens Theatre. Seine Stücke sind mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. waren „Before My Eyes“ und „The End of the Tour“ vom Joseph Jefferson Committee als Best New Play nominiert, „The Fall to Earth“ gewann den Jeff-Award, „Blind Hearts“ mehrere Illinois Arts Council Stipendien. Johnson ist Mitglied von The Dramatists Guild, Pen America Center und dem Chicago Dramatists Advisory Board. Er unterrichtet Playwriting an verschiedenen Universitäten und Hochschulen.

Joel Drake Johnson lebt in Chicago und New Buffalo, Michigan.

 

Scherbengericht

(Four Places)
Deutsch von Peter Torberg
3D, 1H
UA: 28.03.2008, Victory Gardens Theatre Chicago
DSE: 10.09.2010, Theater Schloss Maßbach

Ein scheinbar ganz normaler Tag. Peggy, eine lebhafte Siebzigjährige, wird wie gewohnt von ihrer Tochter Ellen zum Lunch abgeholt. Sie lebt zusammen mit ihrem todkranken Mann und freut sich auf diese wöchentlichen Ausflüge. Doch schon im Auto merkt sie, dass etwas nicht stimmt: Warren, ihr Sohn, sitzt auf der Rückbank. Warren ist Lehrer, er hat schulfrei, das behauptet er zumindest. Schon die Fahrt zum Restaurant ist alles andere als entspannt – erzwungenes Geplänkel, Missverständnisse, kleine Boshaftigkeiten, peinliche Stille. Über das Wesentliche wird nicht gesprochen. Noch nicht.

Auch beim Essen wird noch versucht, den Schein zu wahren, doch nach und nach legen Ellen und Warren die Karten auf den Tisch: Die Krankenpflegerin, die täglich ein paar Stunden in Peggys Haus kommt, hat nicht nur berichtet, wie die Eltern sich im wiederholten Alkoholrausch streiten, sondern Peggy dabei beobachtet, wie sie ihren Mann mit einem Kissen zu ersticken versucht. War das einer der üblichen ehelichen Streits oder war es versuchter Mord? Die Geschwister wollen die Wahrheit herausfinden und haben doch Skrupel, die Mutter mit ihrem vorbereiteten Plan zur Lösung des elterlichen Problems zu konfrontieren. Aus der besorgten Befragung wird sehr schnell ein regelrechtes Verhör. Und noch ahnt Peggy nicht, dass zu Hause nichts mehr ist, wie es einmal war ...

Mit fast schmerzhafter Genauigkeit beschreibt Joel Drake Johnson den Zerfall einer Familie. Sein bis ins Detail fein beobachtetes Stück erzählt unter der Oberfläche eines harmlosen Familienausflugs eine Geschichte von jahrelanger Verbitterung, schleichend abnehmender Zuneigung und versteckten Grausamkeiten – eine Geschichte um den Verlust der menschlichen Würde. Mit einem sicheren Gespür für Suspense führt Johnson seine Figuren und damit auch den Zuschauer an einem seelischen Abgrund entlang. "Well deserving of a future life, 'Four Places' is a work that really gets under the skin and stays there, making it feel like there must be a touch of the gothic, and of the tragic, almost everywhere we look." (Variety)