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UA: "Warte nicht auf den Marlboro-Mann" von Olivier Garofalo in Aalen
Am 19. Oktober ist die Uraufführung von Olivier Garofalos Stück Warte nicht...

SE: "Alles Liebe, Linda" am Theater Rigiblick, Zürich
Am 22.10. ist die Schweizer Erstaufführung von Alles Liebe, Linda am Theater...

Nominiert für den Deutschen Hörspielpreis: "GEH DICHT DICHTIG!" von Ruth Johanna Benrath
Ruth Johanna Benraths Hörspiel GEH DICHT DICHTIG! ist für den Deutschen...

Ausgezeichnet! Deutscher Musical Theater Preis 2019
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Hörspiel des Monats: "Baader Panik" von Oliver Kluck
Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat Baader Panik von...

Rückblick: "Frau Ada denkt Unerhörtes" von Martina Clavadetscher am Schauspiel Leipzig
Am 27. September war die Uraufführung von Martina Clavadetschers Stück Frau...

Nominierungen für den "Deutschen Musical Theater Preis 2019"
Wir freuen uns, dass die Stücke unserer Autoren Thomas Zaufke, Henry Mason,...

UA: "Die Bremer Stadtmusikanten" von Philipp Löhle am Theater Paderborn
Am 30. Oktober ist die Uraufführung von Philipp Löhles Die Bremer...

Neu: "müde wilde welt" von Johannes Hoffmann
In müde wilde welt zieht die heutige Leistungsgesellschaft ins Kinderzimmer...

Neu: "Drei Tage oder Abstieg und Aufstieg des Herrn B." von Roman Sikora
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DSE: "The Party" von Sally Potter am Burgtheater Wien
Am 21. September war die deutschsprachige Erstaufführung von Sally Potters...


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Fodor, Kate

Die amerikanische Autorin Kate Fodor, Jahrgang 1970, wurde zu ihrem Erstlingswerk Hannah und Martin inspiriert, als sich zwei Freunde von ihr über das Thema unterhielten: Die eine, eine Schauspielerin, versuchte die andere, eine Autorin, davon zu überzeugen, aus der Idee ein Theaterstück zu machen. Diese lehnte ab. Fodor jedoch, seinerzeit als Journalistin für Reuters tätig, nahm sich des Stoffes an – mit Erfolg: Im Jahre 2002 wurde sie für Hannah und Martin mit dem Roger L. Stevens Award des Kennedy Centers ausgezeichnet und lag unter den Finalisten für den Susan Smith Blackburn Prize. Die Uraufführung des Werks in Chicago Anfang Mai 2003 fand bei Publikum und Kritik großen Anklang. Seither war das Werk in mehreren Produktionen in Amerika zu sehen.

Kate Fodor lebt und arbeitet in New York.

 

Hannah und Martin

(Hannah And Martin)
Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori
3D, 2H, Nebendarsteller
UA: Mai 2003, TimeLine Theatre Company Chicago
frei zur DSE

November 1946. Hannah Arendt schreibt einen Brief an den Rektor der Freiburger Universität. Sie erklärt darin, dass sie ihre Meinung, Martin Heidegger müsse die Lehrerlaubnis entzogen werden, geändert habe, und bittet, Professor Heidegger wieder zur Lehre zuzulassen.

In Rückblicken wird die erste Begegnung Hannahs mit Heidegger in dessen Sprechstunde erzählt. Sie bewundert ihren Lehrer und ist begierig, von ihm zu lernen. Umgekehrt ist auch Heidegger fasziniert von Hannahs direkter Art, ihrem unbestechlichen Wesen, ihrer Begeisterungsfähigkeit. Zwischen beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die Heidegger als Familienvater vor seiner Frau verheimlicht.

Bei einem heimlichen Treffen erwähnt Heidegger, er habe Aussicht auf den Rektorenposten in Freiburg. Er sieht in dieser Aufgabe die Möglichkeit, ganze Generationen junger Leute geistig zu prägen. Er glaubt sich in dieser Position als Retter. Als Heidegger tatsächlich zum Rektor ernannt wird, trennen sich ihre Wege. Während er mit den Nazis zu sympathisieren scheint, muss die Jüdin Hannah fliehen und nach Amerika emigrieren.

Als Hannah nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurückkehrt und Heidegger wieder sieht, konfrontiert sie ihn mit schweren Anschuldigungen. Ihre philosophischen Überzeugungen, ihr Stück gemeinsamen Weges, Heideggers Zutun zum Erfolg der Nazis – alle Fragen der Schuld werden erörtert. Hannah sieht sich einem Mann gegenüber, der seine Schuld teilweise eingesteht, der aber die Konsequenzen seiner Handlungen nicht in vollem Ausmaß annehmen kann und will.

Nach dieser Auseinandersetzung setzt Hannah ihren Brief an den neuen Rektor der Freiburger Universität auf, in dem sie bittet, Heidegger möge es erlaubt sein, weiter zu lehren. Bei aller Schuld findet sie eine Entschuldigung, indem sie Heidegger außerhalb der menschlichen Norm verortet. Sie spricht sich damit gegen ein kategorisches Schwarz-Weiß-Denken aus, für ein großzügiges Urteil und für Vergebung von Schuld.

Hannah und Martin ist ein Stück über zwei Denker, die sich ineinander verliebten, die einander beeinflussten, sich über ihre unterschiedliche Haltung zum Nationalsozialismus entfremdeten und anschließend über die Philosophie wieder zueinander fanden. Mit einem sicheren Gespür für Situationen und Sprache macht die amerikanische Autorin Kate Fodor die Welt von Arendt und Heidegger fassbar. Dabei entwickelt sich kein geschichtliches oder philosophisches Lehrstück, sondern vielmehr eine sowohl poetische als auch temporeiche Erzählung über Liebe, Hass, Sehnsucht und die Folgen ideologischer Verblendung auf der einen und vorschneller Verurteilung auf der anderen Seite. Ein Stück, das nachdenklich stimmt und zu Diskussionen anregt.