24.11.6408

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"Alice" am Metrolpoltheater München
Herzlichen Glückwunsch zum Nichtgeburtstag und toi, toi, toi dem Münchener...

"Die Orestie" am Thalia Theater in Hamburg
Am 21. Oktober feierte Aischylos' Werk Die Orestie in der Bearbeitung von...

UA: "Eine Weihnachtsgeschichte" von Philipp Löhle nach Charles Dickens
"Die Reise führt tief hinein ins Unterbewusste des alten Griesgrams, wo die...

Neu bei FBE: "Blütenzeit (Blossom Time)" von Dorothy Donnelly und Sigmund Romberg
Blütenzeit ist die amerikanische Version des Wiener Singspiels "Das...

UA: "Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
Was passiert eigentlich mit der Welt, wenn ich die Augen zumache? Wie kommen...

"Wartesaal" von Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
In Lion Feuchtwangers berühmter Wartesaal-Trilogie bestehend aus den Romanen...

DER FAUST für Hannah Biedermann
Am Freitag ist Hannah Biedermann der Deutsche Theaterpreis DER FAUST...

Brüder-Grimm-Preis 2017 für "NASSER #7Leben"
Der mit 10.000 Euro dotierte Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin geht in...

Neu bei FBE: "Mit deinem Bein im Mund lässt es sich viel leichter ich liebe dich Luka sagen" von Marcus Peter Tesch
Körper hängen wie geschlachtete Tiere von der Bühnendecke. Es sind die...

NEU bei Desch: "Jugendliebe" von Ivan Calbérac
Antoine Chopin hat alles – eine wunderschöne Freundin, beruflichen Erfolg und...


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Anonyma

Die Tagebucheinträge erschienen 1954 auf Englisch, 1955 auf Niederländisch und 1959 auf Deutsch. In Deutschland stieß die Veröffentlichung auf heftige Ablehnung. Den Zeitabschnitt, der in den Büchern festgehalten wurde, wollte man lieber nicht thematisieren und der Autorin wurde vorgeworfen, sie hätte "die Ehre der deutschen Frau beschmutzt" und das Buch sein eine "Schande für die Deutsche Frau". Aufgrund der heftigen Reaktionen auf ihre persönlichen Aufzeichnungen lehnte sie die Nennung ihres Namens ab und untersagte jegliche weitere Veröffentlichung bis zu ihrem Tod.

 

Anonmya: Eine Frau in Berlin

Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945
Mit einem Nachwort von Kurt W. Marek

frei zur UA

"Arme Worte, ihr reicht nicht aus." Ein Keller in Berlin in den letzten Jahren des Krieges, Frühjahr 1945. Die rote Armee rückt ein und für die Frauen beginnt eine Zeit der Angst und Qual. Sie fragen sich gegenseitig nicht, ob sie vergewaltigt wurden, sondern schlicht und einfach: "Wie oft?" Die unerträglichen Stunden im Luftschutzbunker sind vorbei, doch nun fürchten Sie den Besuch der russischen Männer, die betrunken und stinkend über die Frauen herfallen und sich nehmen, was sie brauchen. Die Autorin des Buches hat genau diese Schrecken erlebt, es sind ihre eigenen Erfahrungen, die sie schonungslos in ihren Tagebucheinträgen vom 20. April bis 22. Juni 1945 schildert. Ohne Unterschlagungen schreibt sie ihren Alltag nieder – so ehrlich und detailliert, dass der Leser ihre Zeilen nie mehr vergisst. Die Autorin, die bis zum Beginn des Krieges in einem Verlag arbeitete und Russisch sprechen kann, beginnt, in ihrem Rahmen der Möglichkeiten die Fäden selbst in die Hand zu nehmen. Sie nutzt ihre vorhandenen Sprachkenntnisse und beeindruckt die russischen Männer mit ihrer Bildung. Besonders die höheren Offiziere versucht sie für sich zu gewinnen, wählt mitunter aus, wer in ihr Bett darf: ranghöhere Offiziere, die sie vor weiteren Übergriffen durch russische Soldaten schützen sollen. Da sie allerdings schnell wieder abkommandiert werden, ist ihr Schutz meist nur von kurzer Dauer und ihr Schutz geht verloren und die sichere Lebensmittelquelle versiegt. Es bleibt ihr ein großes Talent: Sie kann improvisieren und kurz entschlossen handeln und auf diese Weise gelingt es ihr, nicht nur sich selbst zu retten.

In den abgeklärten und illusionslosen Schilderungen lässt sich herauslesen, wie die Frauen in Deutschland diese Zeit psychisch überstehen konnten oder wie es vielmehr nicht gelang. In extremer Distanz zu sich selbst beschreibt die Zeitzeugin die Geschehnisse und "Wer erfahren will, wie es wirklich war, wird sich an die Frauen halten müssen. Denn die Männer haben sich in den Ruinen als »das schwächere Geschlecht« gezeigt."
2008 wurde der Stoff von Regisseur Max Färberböck mit Nina Hoss in der Hauptrolle verfilmt.
Das Buch erschien 2003 als Band 221 der Anderen Bibliothek im Eichborn Verlag: seit 2011 im Verlag AB - Die Andere Bibliothek, Berlin.

Hinweis: Es ist jeder Bühne möglich, in Rücksprache mit dem Verlag eine eigene Adaption dieses Romans zu erstellen.