29.04.2017

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Bild von Reihaneh Youzbashi DizajiYouzbashi Dizaji, Reihaneh
(c) Christian Bäucker 

Reihaneh Youzbashi Dizaji, 1983 in Tabriz / Iran geboren, ist im Alter von acht Jahren mit den Eltern nach Deutschland geflohen. Sie studierte Schauspiel an der ADK Ulm und lebt und arbeitet heute als Autorin, Regisseurin und Filmemacherin in Berlin. Mit ihrem Stück "Stuttgart.Teheran.Dialog" erhielt sie Einladungen zum Heidelberger Stückemarkt und dem Theatercafé London. Ihre Kinderstücke erscheinen im Programm vom Verlag für Kindertheater. 2014 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "HundertKöpfeFrau" in Zusammenarbeit mit Walter Kohl. Zudem realisierte sie die beiden Kurzfilme "Mein Paradies" und "Prellung" und richtete mehrfach szenisch-musikalische Lesungen im Roten Salon der Volksbühne Berlin ein. Ihr Regiedebüt gab sie im Januar 2015 am Ballhaus Naunynstraße mit ihrem Stück "Tableau". Reihaneh Youzbashi Dizaji ist Sängerin der Band Happy Goat.


Weitere Informationen zu Reihaneh Youzbashi Dizaji

 

Kirschen im Winter

3D, 3H
frei zur UA

In Grimms Haus hat es Vater verschlagen, schon vor vielen Jahren. Für die Arbeit, für das Fernsein von Frau und Kindern und Verbindlichkeiten. Für das Nahsein, für die Liebe zu einem Ort mit erinnernden Mauern und lebendigem Garten, für die tiefe Verbundenheit zu Grimm, der nunmehr nur noch im Erinnern und Erzählen an seine Frau lebt, und für die Liebe als Liebe. Doch selbst diese Nähe zum Schönen lässt es nicht zu, das Glück zu finden und zu empfinden. Umso mehr als Grimms kranke Frau sich von Haus und Leben verabschiedet hat und nur noch in Gedanken der beiden sie liebenden Männer wach gehalten wird. In die unbekannte Unruhe und unausgesprochenen Worte in Grimms Haus stoßen die erwachsenen Kinder Tanja und Peter, und die Frau, die Vaters Frau gewesen ist und auf eine Weise immer bleiben sollte. So viel Familie. Als wäre Weihnachten.

Aber es wird sich nichts geschenkt. Eintracht und Harmonie lassen sich von den Sehnsüchten, Erwartungen und Konflikten beim gemeinsamen Abendessen zerreiben wie ein guter Käse. Es geht um Tanjas Liebe zu Mara, Peters Egomanie, Mutters Befreiungsschlag und Vaters Rolle in all ihrer Leben. Es geht um die Liebe und um die Wurst, die man hier lieber als Cassoulet isst, um Täuschungen und Enttäuschungen. Es wird geohrfeigt und geküsst, zugesehen und weggeschaut, innegehalten und vieles ausgehalten. Und darauf angestoßen? Denn genau diese Reibung ist das Leben. Gerade für Grimm, dem schmerzlich bewusst wird, was ihm fehlt. Und welche Kräfte werden freigesetzt, dass Grimms Haus am Ende nicht in Flammen steht und die Geschichten weitergehen.

Reihaneh Youzbashi Dizaji zelebriert in ihrem neuen Stück die Familie als große Reibungsfläche. Knappen Sätzen mit großer Schlagkraft setzt sie Momente des Schweigens und Betrachtens entgegen und verleiht dem alltäglichen Unheil ihrer Figuren etwas seltsam Heiliges.

Hinweis:
Für dieses Stück können Aufführungsrechte
an Amateurtheater erst nach der Uraufführung vergeben werden.

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